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Gesehen! The Sea, Love Sees No Color / 10.02.2010, Frankfurt, Ponyhof
Kurswechsel mit Dampf
Text: Claudio Castello Live-Fotos: Moritz Lehmann
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Hierzulande steht die Zwei-Mann-Band The Sea am Anfang ihres Weges - bisher noch, wohlgemerkt. Schließlich konnten die beiden Brüder aus Britannien bereits internationale Erfolge verbuchen und leisteten Muse auf ihrer US-Tour Gesellschaft. Wie sie sich in Europa machen, wird sich zeigen. Nach ihrem alternative- bis bluesrockigen Debütalbum haben The Sea jedenfalls sowohl auf der Bühne in Form von Liedgut, als auch im Gespräch zu erkennen gegeben, dass sie Blut geleckt haben und ein Kurswechsel folgen wird: Weniger aggressiv sollen die neuen Kompositionen sein, mit weniger Gitarre, mehr Piano und vor allem mehr Pop-Appeal. Das klingt nach ambitionierten Jungspunden. Und wie die klingen, konnten sich heute Abend die Besucher des Ponyhofs anhören.
Allerdings finden sich nur gut ein dutzend Gäste in dem kleinen, ehemals unter "Das Bett" firmierenden Club ein. Wenn man mit einer großen Band durch Amerika getourt und in riesigen Stadien aufgetreten ist, um tausende von Besuchern zu bespielen, kann das ernüchternd sein. Allerdings ist auch nicht alles Gold, was glänzt, so sagt zumindest der Volksmund. Und vielleicht sind The Sea auch eine dieser Bands, die schön geschrieben und hoch gehalten werden, bis ein Selbstläufer daraus wird und keiner mehr genau hinhört, was an dem Ganzen denn so besonders sein soll. Ernsthafte Zweifel, die ob ihrer doch etwas eintönigen und allzu geradlinigen Platte, vor allem aber ob der fast peinlich berührenden Muttersprachler-Plattitüden im lyrischen Bereich (man wiederhole 4x "I got my kicks [from it]", 1x "Well she walks like a reptile / And she thrills me all night long" und 12x "Love" zwei Durchgänge lang, fertig ist ihr Song "Love Love Love") aufgekeimt sind, spielen sie jedoch mit einem passablen Set erfolgreich hinweg.
Die Vorband Love Sees No Color hingegen scheint soundtechnisch leider in der Turnhalle ihrer alten Penne hängen geblieben zu sein. Ihr emotional anmutender Rock weckt Assoziationen zu drittklassigem College-Punk, der nicht nur altbacken, sondern auch kraftlos klingt. Mit Samples und elektronischen Versatzstücken versuchen sie, ihn als Novum zu verkaufen. Leider scheitert die lokal ansässige Band zudem an farblosen Melodien und den ewig gleichen Gesangslinien, live sogar an der etwas drucklosen Stimme des Sängers und einem leicht naiv wirkenden Plauder-Bassisten. Kurz: ein Erlebnis, so aufregend wie ein Stück trocken Toast.
Auch wenn die sehr begrenzten Räumlichkeiten für den deftigen Sound nicht unbedingt geeignet sind, bekommt der Auftritt von The Sea daher eine angenehm befreiende Note: Mit viel Dampf spielt sich das britische Duo durch sein Set, nimmt hier und da zaghaft Kontakt zum Publikum auf und bringt neben den Songs ihres aktuellen Albums viel neues Material, bestehend aus Gesang, Piano und Drums. Dass dieses nicht so laut poltert und auf kratzende Gitarren verzichtet, stattdessen eher auf Harmonien in Beatles-Manier setzt, ist der bereits erwähnten Pop-Komponente geschuldet. Und die steht den beiden gar nicht mal so schlecht zu Gesicht. Gegen 11 Uhr, nachdem Schlagzeuger Alex Chrisholm ein langes, beeindruckendes Schlagzeug-Solo hingelegt hat, in dem er Variationen der kompletten Palette aus Tempo, Metrik, Rhythmik und Dynamik gekonnt durchexerziert, neigt sich das Konzert dem Ende zu.
Und auch wenn Besucherzahl und Soundabmischung eher suboptimal gewesen sind, können die Jungs von The Sea mit ihrem Auftritt zufrieden sein und geben sich beim anschließenden Plausch optimistisch: Der Abend sei doch ganz okay gewesen. Außerdem geht's jetzt erst richtig los - und das neue Album wird sowieso super werden. Wir sind gespannt.